Archive for November, 2007

Nov 18

Interessant …

Posted by agy in Raul und Rajiv

Stress-Symptome bei Schulkindern Bissel runter scrollen da sind dann pdf Dateien.

und ich erwähne jetzt nicht, wieviel davon auf meine kleinen Schulkinder zutrifft *Seufz*

Nov 17

Virginia Woolf – Orlando

Posted by agy in Bücher

Bin heute versunken, lesenderweise mal wieder. Danke Claudi auch an dieser Stelle nochmal für das tolle Buch, ist eins der Bücher die man ruhig öfters lesen kann!

Er seufzte tief und warf sich – in seinen Bewegungen lag eine Leidenschaft, die dieses Wort verdient – zu Füßen der Eiche auf die Erde. Er liebte es, unter all der Flüchtigkeit des Sommers das Rückgrat der Erde unter sich zu fühlen; denn als solches empfand er die harte Wurzel der Eiche; oder; denn Bild folgte auf Bild, sie war der Rücken eines großen Pferdes; auf dem er ritt; oder das Deck eines schlingernden Schiffs – sie war in der Tat alles, solange es hart war; denn er empfand ein Bedürfnis nach etwas, an das er sein strömendes Herz haften konnte; das Herz, das in seiner Seite zerrte; das Herz, das jeden Abend um diese Zeit, wenn er hinauswanderte, von würzigen und verliebten Stürmen erfüllt schien.

Orlando von Virginia Wolf – Eine Huldigung an ihre Freundin, die Schriftstellerin Victoria Sackville-West, von V. Woolf zärtlich Vita genannt. “Vita soll Orlando sein, ein junger Adliger. Eine Biographie, die im Jahr 1500 beginnt und bis zum heutigen Tag führt, Orlando genannt: Vita; nur mit einer Umwandlung aus einem Geschlecht in ein anderes.

Nov 16

ich und ich

Posted by agy in Musik

Nov 13

Der Medicus

Posted by agy in Bücher

…fertig mit lesen.

Der Medicus von Noah Gordon

Das Buch erzählt die Geschichte des Robert Jeremy Cole, der im 11. Jahrhundert in der englischen Hauptstadt London aufwächst. Als er innerhalb kurzer Zeit seine Eltern verliert, wird er von einem Bader als Lehrling aufgenommen und zieht mit diesem durch das Land. Bald erkennt er jedoch, dass er größere Ambitionen hat und tritt eine gewagte Reise in den Orient nach Isfahan an, um sich dort bei Ibn Sina Avicenna, dem „Arzt aller Ärzte“ ausbilden zu lassen.

Die facettenreiche Darstellung des Lebens in einer Welt vor der Aufklärung liest sich oft wie ein Tatsachenbericht; doch dieser Eindruck trügt. Die planvolle Ausarbeitung von Handlung und Charakteren sind deutlich spürbar, doch die im Roman dargestellte Welt enthält sehr viele historische Ungenauigkeiten. (Zum Beispiel wird die Stadt Straßburg Frankreich zugeordnet, obwohl sie damals zum Herzogtum Schwaben gehörte. Länder und Städte, die damals noch nicht existierten oder anders hießen, werden durchreist beispielsweise Bulgarien, Türkei, obwohl diese Gebiete damals zum byzantinischen und seldchukischen Reich gehörten.) Der Roman ist weitgehend eher eine mittelalterliche Fantasiewelt als eine historisch korrekte Beschreibung des 11. Jahrhunderts.

Ich fands ganz interessant, hab aber schon recht lange zum lesen gebraucht, ist ja auch ein dicker Wälzer.

Nov 13

DAS VERSCHWINDEN DER KINDHEIT

Posted by agy in Privat

DAS VERSCHWINDEN DER KINDHEIT

Als wir Kinder waren, waren wir viele. Kerskens gegenüber hatten neun, Oelingers die Straße hoch fünf, und zu Hause waren wir sechs. Jungs spielten Fußball und Mädchen Gummitwist, wir schnitzten Steinschleudern, jagten Hasen. Die Eltern ließen uns laufen und wenn die Erwachsenen zusammen kamen, bekamen wir einen eigenen Tisch. Aus der ersten Zigarette, so mit elf, wurde gleich eine ganze Packung, danach war uns schlecht, aber niemand hat es bemerkt. Die Welt war groß, die Kinder waren klein.

Wir haben Regenwürmer zerteilt und Heuschrecken geschluckt. Bauten Höhlen hinter Hecken und klauten Äpfel von den Bäumen. Machten Feuer, was wir nicht sollten, fielen von Mauern, was wir nicht wollten. Wir streunten durch die Felder, stauten den Bach und waren immer dreckig. Die schlimmste Strafe war Hausarrest. Wenn wir eine Uhr brauchten, schauten wir hoch zur Kirche. Wir hatten Zeit.

Das ist nicht lange her. 30, 40 Jahre. Heute ernten Eltern von drei Kindern mitleidige Blicke. Wenn Jungen und Mädchen sich verabreden wollen, brauchen sie ein Telefon. In der Küche hängen Terminpläne. Auf dem Fußballplatz, ein paar Häuser weiter, bolzt niemand. Der neunjährige Lewin hätte noch donnerstagsnachmittags Zeit, aber sein bester Freund sitzt bei der Nachhilfe, sonst schafft er in acht Jahren das Abi nicht. Lewins zweitbester Kumpel wohnt einen Kilometer weiter, darf aber nicht allein los. Konrad von gegenüber übt nach den Hausaufgaben Klavier, und Elian, zehn, hockt lieber am Computer. Da kann er so tun, als sei er schon 18. Die Welt ist klein, das Kind schon groß.

Kindheit hat sich verändert. Eltern organisieren die Freizeit, Mütter sind Familienmanager. Kinder zwischen drei und fünf Jahren sehen täglich 70 Minuten fern. Schon in der dritten Klasse hat ein Drittel der Kinder einen eigenen Fernseher. Nein- bis Dreizehnjährige sitzen 90 Minuten am Tag vor dem Computer. Kindheit findet drinnen statt, man muss nicht mehr aus dem Haus.

In Deutschland leben heute zwölf Millionen Kinder unter 15 Jahren, sechs Millionen weniger als 1970. In Großstädten wie Hamburg wohnt nur noch in jedem fünften Haushalt ein Kind. Ein Viertel der Kinder wächst ohne Geschwister auf. Viele nur allein mit der Mutter oder allein mit dem Vater. Die klassische Großfamilie mit Oma und Opa im Haus erlebt nur eins von hundert Kindern.

Die Spielplätze sind eingezäunt, die Bolzplätze verschwunden. Vor Sandkästen sieht man mehr Erwachsene als Kinder. Als neulich Schuljungs in Hamburg ein paar Bretter auf die Äste einer Kastanie legten und ihre Konstruktion zum Baumhaus erklärten, holte ein Mann vom Grünflächenamt sie runter – sie könnten sich verletzen.

Immer häufiger ersetzen Vater und Mutter die Spielkameraden. Jedes dritte Kind im Alter von acht oder neun Jahren ergab eine Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts wünscht sich mehr Kinder zum Spielen; jedes zehnte Kind ist ohne einen guten Freund. Nur knapp ein Viertel der Kinder trifft sich heute noch mit drei oder mehreren Freunden nach der schule. Jedes dritte Kind lebt in Verhältnissen ohne ausreichende Spielmöglichkeiten. Kein Wald, keine Wiese, kein Platz zum Toben.

Eltern haben Angst, die Kinder auf der Straße oder im Park spielen zu lassen. Dass sich Väter oder Mütter um das Wohlergehen ihrer Kinder sorgen, ist nichts Neues. Aber wenn man mit Erziehern und Ärzten, Lehrern und Therapeuten spricht, wird eins rasch deutlich: Der Umgang mit Kindern war schon mal gelassener. „Das wächst sich aus“, „das renkt sich ein“, „das wird schon werden“: Man hört es nicht mehr oft. „Gute“ Eltern wollen sich kümmern, wollen Dinge richten. Typische Szene: Als sich beim Hockeytraining eine Mutter in den Streit ihrer Tochter mit zwei Jungs einmischt, fragt das Mädchen laut: „Mama, darf ich mich wenigstens mal ohne deine Hilfe streiten?“

Es gibt immer noch böse Jungen und schlechte Mädchen. Autos, Treppen, Gartenteiche. „Kinder sind heute nicht ängstlicher“, sagt Heike Ramm, Kinder- und Jugendärztin aus Seevetal bei Hamburg. „Aber die Eltern sind übervorsichtig. Und nehmen Kindern damit viel von der Fähigkeit, Gefahren zu erkennen.“

Der natürliche Umgang geht verloren. Das beginnt bei den Vorsorgeuntersuchungen. Weichen die Söhne und Töchter von der Norm ab, weil sie für das eine oder andere mehr Zeit benötigen, geraten Eltern in Panik. Läuft das eigene Kind als einziges in der Krabbelgruppe noch nicht mit zwölf Monaten, fragen Eltern nach Krankengymnastik. Dass Dummerchen manchmal früher mit dem Sprechen beginnen als die später Klugen, beruhigt nicht. „Genies wie Einstein“, sagt Kinderärztin Heike Ramm, „wären heute schon im Kindergarten gestutzt worden.“ Der kleine Einstein stotterte.

…….Wenn Eltern den Nachwuchs bereits im Kindergarten für den weltweiten Konkurrenzkampf abrichten, bleibt Kindheit nicht der mehr oder weniger geschützte Raum, zu dem er in den vergangenen 50 Jahren geworden war. Früher hieß es: Raus auf die Straße, spielen. Heute: Ab nach Hause, lernen. Damit Chinesen dir später nicht den Arbeitsplatz wegnehmen. „In unserer Epoche“, schreibt der Psychoanalytiker Miguel Benasayag, „hat sich in der westlichen Zivilisation ein Wandel vollzogen: von einem maßlosen Vertrauen in die Zukunft zu einem fast ebenso übertriebenen Misstrauen.“

So wird die Kindheit als eine Zeit voller Gefahren wahrgenommen. Heute spekulieren Eltern eher darüber, was passieren könnte, als darüber nachzudenken, welche Erfahrungen sie ihren Kindern zumuten können. Auch körperliche Verletzungen werden nicht mehr als normale Begleiterscheinungen des Großwerdens akzeptiert. Klettern Kinder auf Bäume, liegen ihren Eltern die Worte „Komm da sofort runter!“ oder „Du wirst dir wehtun!“ im Mund. Die Erwachsenen entscheiden, wie sich Kinder zu fühlen haben, und erwarten, dass sie ihre Empfindungen bestätigen: Kind, zieh dir die Jacke an, Mama ist kalt.

Aus dem STERN Nr. 39 vom 20.9.2007: